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Nachbericht Dialog Holzbau 2022

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HOLZBAU FOR FUTURE: Steigende Rohstoff- und Energiepreise: Auswirkungen auf Holz & Bau

Am Montag, den 27.06.2022 fand an der Johannes Kepler Universität Linz der Dialog Holzbau statt. Diesmal standen die steigenden Rohstoff- und Energiepreise und deren Auswirkungen auf Holz und Bau im Mittelpunkt der jährlich stattfindenden Veranstaltung. Veranstalter waren proHolz OÖ und die Landesinnung Holzbau OÖ.

 

WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr zeigte in seinem Impulsreferat beim Dialog Holzbau in Linz die derzeit steigenden Preise und klärte über die komplexen Zusammenhänge auf. Steigende Preise sind aktuell ein breites Phänomen, das viele Bereiche des Lebens betrifft. Die Lage in den Unternehmen ist nach wie vor gut, aber die Erwartungen trüben sich auch in der Bauwirtschaft ein.

Preisschwankungen gibt es nicht nur beim Holz, sondern bei vielen Baumaterialien wie beispielsweise Stahl, Beton oder Dämmstoffen. Die zuletzt enorm gestiegenen Gaspreise treffen mineralische Baumaterialien wesentlich stärker als Holz. Aus Weißrussland, Russland und der Ukraine wir nur sehr wenig Holz nach Österreich importiert. Holz wird jedoch am Weltmarkt gehandelt. Deshalb können sich globale Entwicklungen wie die Bautätigkeit in den USA und Ereignisse wie der Krieg in der Ukraine auch hierzulande auf die Holzpreise auswirken.  

Es ist anzunehmen, dass eine CO2-Bepreisung das nachwachsende Baumaterial wirtschaftlich noch attraktiver machen wird. Zudem verfügt Österreich über ausreichend Holz und kann im Land die ganze Verarbeitungskette von Weiterverarbeitung in der Säge bis zur Veredelung in den Holzbau- und Tischlereibetrieben abbilden. Laut einer aktuellen WIFO-Untersuchung sind in manchen Bezirken Österreichs mehr als 10 % der Erwerbstätigen der Forst- und Holzwirtschaft zuzuordnen, im Durchschnitt arbeiten in Österreich rund 4 % der Beschäftigten in der Branche. Die Forst- und Holzwirtschaft ist gerade jetzt ein bedeutender stabilisierender Wirtschaftsfaktor, besonders in ländlichen Regionen.

Einer auf EU-Ebene diskutierten außer Nutzung Stellung von Wäldern stellte das WIFO in einer im letzten Jahr veröffentlichten Studie ein alternatives Szenario gegenüber: Wenn man in Österreich 1 Mio. Kubikmeter Holz mehr nutzt und im Holzbau einsetzt, entstehen trotz Verdrängungseffekten 80 Millionen Euro mehr Wertschöpfung und 1.400 zusätzliche Arbeitsplätze.
 

Holz- und Holzhybridbauten sind bei sauerbruch hutton bereits viele Jahre ein wichtiger Bestandteil des Portfolios. Jürgen Bartenschlag ist seit 2020 Partner des Büros mit 140 Beschäftigten und Projekten mit einem Gesamtbauvolumen von mehr als einer Milliarde Euro. Beim Dialog Holzbau gab er einen Blick in besonders beeindruckende Projekte seines Unternehmens. „Es muss nicht jedes Hochhaus aus Holz sein“, so Bartenschlag, aber derzeit sind zwei von drei Projekten, an denen die renommierte Berliner ArchitekteInnen von sauerbruch hutton arbeiten, Holz- oder Holzhybridbauten.

In seinem Beitrag stellte er einige aktuell laufende und bereits abgeschlossene Groß-Projekte vor. Zuletzt war die Unsicherheit, ob und wie die Projekte angesichts höherer Baukosten weitergehen werden, hoch. Trotzdem gibt er für den Holzbau einen positiven Ausblick. Behördenverfahren würden vermutlich auch aufgrund des in den letzten Jahren gewonnenen Vertrauens und mehrerer Beispielprojekte kürzer.

Die für Gemeinden zuständige oberösterreichische Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger betonte in der an die Vorträge anschließenden Podiumsdiskussion, dass viele Gemeinden Holz bei ihren Bauprojekten schon von Anfang an in der Planung berücksichtigen. Laut Universitäts-Rektor Meinhard Lukas sind sich viele Universitäten ihrer Vorbildwirkung bei ihren Bauprojekten bewusst. Die Johannes Kepler Universität wurde zuletzt für ihre Holzbau-Projekte am Campus in Linz mit einem OÖ Holzbaupreis gewürdigt.

Der Vorsitzende der Kooperationsplattform Forst-Holz-Papier Erich Wiesner wies im Zusammenhang mit dem Holzbau auf eine doppelte Dividende hin: Investitionen im Holzbau schaffen Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen und tragen gleichzeitig zur Bekämpfung des Klimawandels bei. Mit der Frage, was es brauchen würde, um den Holzbau weiter voranzubringen, schloss die hochkarätige Podiumsdiskussion ab. Kostenwahrheit wäre wohl eine mögliche Lösung. CO2 muss einen angemessenen Preis haben, den Rest erledigt der Markt.

WIFO Direktor Gabriel Felbermayr erklärt die Preissituation der Holz- und Bau-Branche. © HTL1 Linz
Trotz Hitze voller Saal im Uni-Center der JKU © Foto: eventfoto.at
Vertreter von proHolz und der Landesinnung Holzbau OÖ übergaben Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger einen Holzhut, hergestellt von einem Mühlviertler Drechsler. vlnr: proHolz-Obmann Georg Adam Starhemberg, LR Michaela Langer-Weninger, Landesinnungsmeister Josef Frauscher © Foto: eventfoto.at
vlnr: Moderator Wojciech Czaja, Architekt Jürgen Bartenschlag, LR Michaela Langer-Weninger, JKU Rektor Meinhard Lukas, FHP Vorsitzender Erich Wiesner, WIFO Direktor Gabriel Felbermayr © Foto: eventfoto.at